Mein Therapeut

Neunmal war ich gerade noch pünktlich gewesen, in der kleinen, ganz privaten Praxis meines Physiotherapeuten. Ausgerechnet bei der letzten Behandlung verspätete ich mich durch einen Stau und gleich gründlich.

“Kann ich noch…” mehr brachte ich nicht heraus, als ich dem Mann in der kleinen Diele gegenüberstand. Nichts als enge Shorts hatte er auf dem Leib, dichtes krauses Schwarz auf der muskulösen Brust und in der Hand seinen Staubsauger. Weiterlesen

Heisshunger

Etwas erhaben schaute ich auf den Schwarm von Menschen, der aus dem Flughafengebäude strömte und nach den richtigen Bussen suchte. Ich hatte meinen Leihwagen bereits in Deutschland gebucht! Rasch waren die Neuankömmlinge verstaut und weg.

Nanu!? Eine junge Frau stand mit ihrer Reisetasche unentschlossen herum.

“Bus verpasst?” fragte ich im Vorübergehen.

“Oh, sie sprechen deutsch?”

“Suchen Sie mal jemand auf Mallorca, der nicht unsere Sprache beherrscht!”

Weiterlesen

Aufmerksamer Hausmeister

Unschlüssig standen die Möbelträger in der Tür. Sie hatten sich für ihr Trinkgeld bereits bedankt. Nicole hockte auf einem vollen Karton mit Tränen in den Augen. Allein in dieser fremden, grossen Stadt. Nicht ein bekanntes Gesicht, und Heinz würde auch erst in frühestens zwei Wochen nachkommen können. Als die Tür sanft zugezogen wurde, hielt sie den Fluss der Tränen nicht mehr zurück. Weiterlesen

Geschenkt für eine Nacht

Kathren streichelte über ihr Evaskostüm und zerwühlte das Laken des Hotelbettes. Sie genoss die liebevolle Knabberei an ihren Zehen. Es war Susan seit langem nicht fremd, womit sie die stets munter aufgelegte Freundin auf Touren bringen konnte. Sie tat es an dem Abend ganz bewusst, weil es nur noch einer Kleinigkeit bedurfte, die Zimmergenossin endlich zu dem Spass zu überreden. Zwischen ihren sanften Bissen murmelte Susan: “Wie alte Jungfern benehmen wir uns. Schon den dritten Abend auf dem Hotelzimmer. Ohne besondere Vorkommnisse! Wir sind dreiundzwanzig, nicht achtzig!” Weiterlesen

Geile Sprachübungen

Micha und die niedliche Vietnamesin hatte es erwischt. Sie waren von der internationalen Studiengruppe verdonnert worden, die Zelte zu bewachen. Die übrigen elf jungen Leute vergnügten sich derweil in der Disko.

Gegen Mitternacht knurrte Micha: “Von mir aus kannst du schlafen.”

“Manuela hat gesagt, ich soll nicht mit dir schlafen.” Er lachte schallend. Pikiert schaute Bai ihn an und murmelte: “Ich habe nicht Ahnung, warum sie das gesagt hat.” Micha versuchte das Missverständnis aufzuklären: “Die Manuela hat bestimmt nicht das normale Schlafen gemeint. Sie hat dir eingeimpft, dass wir beide keine Dummheiten machen sollen.”

Weiterlesen

Geil auf den Fensterputzer

Seit zwei Jahren bewohnte die Familie Zimmer das hübsche Einfamilienhaus am Stadtrand. Seit dem liess Tanja, die zweiunddreissigjährige freischaffende Fotoreporterin, aller zwei Monate den Fensterputzer kommen. Schon manchmal hatte sie dieser Mann auf dummem Gedanken gebracht. Gross war er und muskulös. Sein langes rabenschwarzes Haar hatte er hinten zu einem Zopf gebunden. Das kantig geschnittene Gesicht gab ihm einen besonders männlichen Ausdruck. Die lange Nase war vielversprechend, wenn man dem Volksmund glauben durfte. Weiterlesen

Die fidele Schneiderin

Für den fünfunddreissigjährigen Daniel Findeisen war es immer Grauen, wenn er durch die Kaufhäuser und Fachgeschäfte stiefelte um sich Oberbekleidung zu kaufen. Zwei Meter und fünf Zentimeter mass er und hatte nur selten Chancen, das zu bekommen, was er sich vorstellte. Was es noch schwerer machte, er war ziemlich schlank. Wie oft hatte er am Ende irgend etwas genommen, was ihm gar nicht recht gefiel. Nun war die Einladung zur Hochzeit von Bekannten gekommen. So fürstlich das aufgezogen werden sollte, da brauchte er endlich mal einen guten Anzug. Nach einem erfolglosen Bummel in einem grossen Einkaufszentrum sagte Iris, seine Frau, dann nimm doch mal das Geld und lass dir von Frau Fischer einen Massanzug machen. Sie arbeitet viel Herrengarderobe fürs Theater. Sie wohnt nun mal im Haus. Mir wäre es blöd, wenn sie eines Tages mitbekommt, dass du einen Massanzug trägst, und er ist nicht von ihr. Weiterlesen

Der Ex geht ihr nicht aus dem Kopf

“Hier, lies mal”, murmelt Katrin zum anderen Teil ihres Ehebetts, “Der Weiland, mit seiner Neuen, hat ein wunderbares Verhältnis zu seiner Exfrau mit ihrer dritten Heirat. Sie fahren sogar zusammen in die Ferien.”

“He, he, das klingt ja, als hättest du ähnliche Sehnsüchte. Ich höre noch, dass dein Ex ein für alle Mal vergessen war!”

“Eifersüchtig, dass ich mich zweimal mit ihm getroffen hab?”

“Quatsch! Eifersucht! Mir kommt es nur spanisch vor, dass dich diese Sensationsmeldung so interessiert.”

Weiterlesen

Ausserirdische

Susan hatte sich in der Clique den Spitznamen ´Ausserirdische´ eingehandelt. Siebzehn war sie, eine blitzsauberes Madel, wie die Bayern sagen würden, aber schon seit ihrer Kindheit mit dem Spleen von Ausserirdischen und fliegenden Untertassen behaftet. Alles hatte sie in früher Jugend schon verschlungen, was sie auf diesem Gebiet erfahren konnte. Sie behielt ihren Spleen nicht für sich, sondern versuchte auch noch ihre Clique, besonders ihre WG davon zu überzeugen. Das Mädchen war einfach nicht mehr in der Lage, Träume und Realität zu trennen. “Ich bin eine Auserwählte”, hatte sie schon wiederholt verkündet, “die einmal mit den fremden Wesen Verbindung aufnehmen wird.” Ein Teil Schuld an ihrer Spinnerei war, dass es in der Nähe des Städtchens einen merkwürdigen Ort gab, dem man nachsagte, dass da irgendwann ein fremdes Flugobjekt gelandet sein musste. An einem riesigen Findling waren Schmelz und Kratzzeichen, die sich niemand erklären konnte. Susan suchte diesen Ort oft auf und hielt dort geheimnisvolle Selbstgespräche. Weiterlesen